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Bei Exporten von „Schienenfahrzeuge und Ausrüstungen“ liegt Österreich weltweit auf dem fünften Platz.
 
Wien. Die Bahn ist, was Innovationen und die Digitalisierung betrifft, in Österreich auf einem guten Weg – es wird aber dringend die Unterstützung der Politik gebraucht, um neue Technologien schneller implementieren zu können. Sehr oft fehle es an den dafür notwendigen legistischen und normativen Grundlagen – diese sollten idealerweise zumindest europaweit, besser noch weltweit, einheitlich sein.

Jenseits von Hightech würde es der Bahn schon helfen, wenn bestehenden Vorschriften und simple technische Dinge wie etwa die Spannung (in Volt) in den europäischen Oberleitungen vereinheitlicht werden könnten (© OEBB RCG_Peschl)

Das waren die wichtigsten Botschaften der hochrangig besetzten Podiumsdiskussion „Innovationen und Digitalisierung auf Schiene“ der GSV (Plattform für Mobilität) am 12. März.

Die Leiterin der Abteilung Mobilitäts- und Verkehrstechnologien im BMVIT, Evelinde Grassegger, sieht durch die fortschreitende technologische Entwicklung im Straßenverkehr weitere Herausforderungen auf die Bahnindustrie zukommen: Um die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene weiter zu gewährleisten und Innovationen wie Automatisierung für das System Bahn zu forcieren, will das Ministerium diesen Frühsommer eine entsprechende Ausschreibung im Umfang von fünf Mio. € starten. Österreichs Bahnindustrie ist schließlich ein wesentlicher Player: Bei den Exporten im Bereich „Schienenfahrzeuge und zugehörige Ausrüstungen“ liegt Österreich global auf Platz 5!

autoBahn 2020
„Die sinnvollste Mobilität zur besten zu machen“, ist das Credo des Open Rail Lab-Projekts, einer Kombination aus Thinktank und Test Drive, einer Teststrecke für die praxisnahe Erprobung von innovativen Lösungen zur Stärkung der Bahn. Als dafür geeignet wurde seitens der TU Graz die 25 km lange Strecke Oberwart–Friedberg mit zwölf Kreuzungen, acht Stationen und einem Tunnel identifiziert.

„Die Bahn hat ja nicht nur eine Schlüsselstellung für die wirtschaftliche, sondern auch für die gesellschafts- und umweltpolitische Entwicklung“, erklärte dazu der Geschäftsführer der Schieneninfrastrukturgesellschaft (SCHIG), Ulrich Puz.

Auf die hohen Anforderungen für das automatisierte Fahren auf der Schiene wies Burkhard Stadlmann von der FH Wels hin: Hinderniserkennung auf große Entfernungen und Allwettertauglichkeit, verbunden mit hohen Sicherheitsanforderungen.

Werden diese Anforderungen erfüllt, könnten Regional- und Nebenbahnen im dichten Takt fahren. Das Projekt autoBahn2020, in dem kleinere, selbstfahrende Züge mit Hinderniserkennung ausgestattet werden, ist ein wesentlicher Schritt dorthin. Zurzeit wären die Bahntechniker allerdings schon froh, könnte man den Entkupplungsprozess automatisieren – die derzeit verwendete Schraubenkupplung stammt schließlich noch aus dem 19. Jahrhundert …

20.3.2018, Autor: Paul Christian Jezek, paul.jezek@lex-press.at