Disruptive Themen nehmen an Bedeutung zu: Netzwerke und Speicherlösungen sind besonders interessant.

Der Bedarf an Massenspeichern nehme jährlich um 35 Prozent zu. (Bild: pixabay)

Das Spektrum von Technologieunternehmen wird immer vielfältiger. Will man die Gewinner von morgen identifizieren, reicht es nicht mehr aus, sich auf klassische Technologieindizes zu beschränken – so ist beispielsweise Amazon, einer der größten Gewinner im Technologiesektor, als Einzelhandelsunternehmen klassifiziert.

Auch Mark Hawtin, Investment Director bei GAM Investments, lässt sich bei der Identifikation der Themen und Gewinner nicht von der vorherrschenden Definition des Sektors leiten. Er ist der Meinung, dass es im Technologiesektor eine Reihe wichtiger disruptiver Themen gibt, deren Bedeutung weiter zunehmen wird. „Um vielversprechende Unternehmen zu finden, gilt es vor allem, die disruptiven Trends im Auge zu behalten – sowohl aus Unternehmens- als auch aus Konsumentensicht“, so Hawtin.

Netzwerkeffekte
Beispiele dafür seien der Trend weg von der lokalen Speicherung digitaler Daten hin zu Cloud-Lösungen oder Möglichkeiten digitaler Werbung gegenüber herkömmlicher TV- oder Printwerbung. Habe man einen Trend aufgespürt, komme es darauf an, jene Unternehmen zu finden, die davon am meisten profitieren könnten.

„Herausragende Innovationen und Produkte bestimmen zwar den Erfolg eines Unternehmens mit, allerdings ist der Netzwerkeffekt nicht außer Acht zu lassen: Diejenigen, die am meisten vom Netzwerkeffekt profitieren, streichen den Löwenanteil des Gewinns ein, wenn nicht sogar alles“, so Hawtin. Das zeige das Beispiel Facebook im Bereich Mobile Advertising: Die Social-Media-Plattform beherrscht das Segment, und für neue Marktteilnehmer ist es schwer, Fuß zu fassen. „Der Gewinn aus dem Mobile Advertising fließt fast zu 100 Prozent an Facebook. Hier bestimmt der Netzwerkeffekt nicht nur den Gewinner. Er kann auch die Wachstumsposition eines Unternehmens nachhaltig besiegeln“, erklärt Hawtin.

Auch die Vernetzung werde künftig noch mehr an Bedeutung gewinnen und den technologischen Wandel weiter vorantreiben. „Jeder kann sich als Nutzer oder Anbieter von Dienstleistungen über digitale Plattformen vernetzen. Dadurch entstehen völlig neue Ökosysteme wie Uber, Airbnb, Alibaba oder Facebook“, so Hawtin. Die fortschreitende Vernetzung bringe unweigerlich auch die Veränderung des Konsums mit sich: Musik hören mit Spotify, Filme sehen mit Netflix oder Daten speichern mit Dropbox gehört längst zum Alltag.

Der Speicherbedarf wächst
Aktuell sieht der Fondsmanager interessante Chancen im Bereich Speicherlösungen. Der Bedarf an Massenspeichern nehme jährlich um 35 Prozent zu. Dies werde sich mittelfristig auch nicht ändern: „Die Speicheranforderungen durch Big Data, künstliche Intelligenz und Netzwerke steigen“, sagt Hawtin.

Dies werde eine immense Nachfrage schaffen, wenn die Anbieter von DRAM (Dynamic Random Access Memory), NAND Flash (eine nichtflüchtige Speichertechnologie, die für die Datenaufbewahrung keinen Strom benötigt) und Festplatten auf einige wenige Akteure in ihrem jeweiligen Markt zusammengeschrumpft seien. In Bezug auf Hardware und Halbleiter ist Hawtin der Ansicht, dass sich viele dieser Technologien entweder als Massenware durchsetzen oder als Wachstumsgeschäft eingestuft werden, wenn sie tatsächlich zyklisch sind.

Datenskandale: wenig Grund zur Sorge
Einige der aktuell größten Disruptoren sind Akteure im Bereich Big Data oder Unternehmen, die neue Möglichkeiten finden, ihren Nutzern Dienstleistungen zu bieten und gleichzeitig auf deren sensible Daten zuzugreifen. Datenskandale, wie etwa der um Facebook und Cambridge Analytica werden sich allerdings nur bedingt in den Zahlen dieser Technologieunternehmen widerspiegeln, glaubt Hawtin – auch wenn eine strengere Regulierung in dieser Richtung eingeführt werde. „Zwar wirken sich geänderte Vorschriften zwangsläufig auf das Geschäft aus. Dies wird jedoch eher ein sukzessiver Prozess sein als eine schlagartige Veränderung“, so der Fondsmanager.

Dies lasse sich am Fall Facebook und Cambridge Analytica gut illustrieren: Die Datenpanne hatte keinerlei Konsequenzen für die Ergebnisse von Facebook. „Fakt ist, dass Werbeagenturen auf kein vergleichbares Unternehmen zurückgreifen können und die Nutzer unter den sozialen Netzwerken ebenfalls nur wenig Alternativen haben. Wenn überhaupt, so werden strengere Kontrollen und Auflagen den Wettbewerbsvorteil der großen Akteure, die sich zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen leisten können, ausweiten“, so Hawtin.

3.1.2019, Autor: Paul Christian Jezek / paul.jezek@lex-press.at