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Geschwungene Linienführung zeichnet die Luxus-Limouse aus (Fotos: Michael Pfeiffer)
Geschwungene Linienführung zeichnet die Luxus-Limouse aus (Fotos: Michael Pfeiffer)

Infiniti M35h GT Premium.  Für Individualisten mit ausgeprägter Begeisterung für Technik und vor allem Stil. Bevorzugt (Mann) stille Kraft, umhüllt von noblem understatement, heißt die Entscheidung definitiv Infiniti.

Alles ist anders. Das Weiß macht die runde, bullige Form noch muskulöser – der Ästhetik schadet das nicht. 364 PS, so steht´s in der Zulassung, verlangen gesunden Respekt, lassen aber auch so manche Emotion erwarten. Also ein sanfter, kurzer Druck auf den Start/Stopp-Knopf, sämtliche Leuchtmittel an den Armaturen gehen an, umschimmern grünlichblau den in Weißesche (mit Silberstaubfarbe) gehaltenen Innenraum, und dann … Nichts. Der Infiniti ist betriebsbereit, bleibt aber völlig stumm. Ein zaghafter Druck auf´s Gaspedal, der knapp 2-Tonner rollt an, völlig lautlos und elektrisch. Ich öffne das Seitenfenster, lausche dem Motor. Flüsterleise sind lediglich die Rollgeräu-sche der Reifen auf dem Asphalt zu vernehmen.

Das geht aber auch anders. Auf Österreichs südöstlichen Bundesstraßen beweist der Nobel-Japaner rasante Sportlichkeit bei höchstem Komfort und Sicherheit. Die angebenen 5,5 Sekunden vom Stand auf 100 km/h sind korrekt, das Heck schiebt spürbar an und meine Begleitung wirkt entzückt. Man weiß einfach, in einem nicht alltäglichen Gefährt unterwegs zu sein.

Ebenso beeindruckend läuft der Hybrid im Schonbetrieb. Dazu dient der ECO-Modus (u.a. erzeugt das Gaspedal physikalisch Gegendruck), aber auch im Standard-Modus schaltet unterhalb der 100 km/h der 6-Zylinder ab und der 50 kW-Motor übernimmt einige Minuten – bis eben die Lithium-Ionen-Batterien keinen Strom liefern – das Energiekommando. Danach treibt der Ben-zinmotor wieder an und lädt die Akkus, welche zusätzlich durch die beim Bremsvorgang erzeugte kinetische Energie aufgeladen werden.

Raum für Luxus

Edles und ausgefallenes Interieur ergänzen den Charme des Japaners.
Edles und ausgefallenes Interieur ergänzen den Charme des Japaners.

Die Batterien sind hinter den Rücksitzen eingebaut, deshalb auch der etwas spärliche Kofferraum. Im Innenraum hingegen gibt es keinen Anlass für Platzangst, selbst im Fond finden zwei großgewachsene Personen ausreichend Platz. Zusätzlich verwöhnt die Halbanalin-Lederausstattung und natürlich das ausgezeichnete Audiosystem von Bose. Und sollte bei voller Passagierbesetzung jemand die Nase rümpfen, so hat Infiniti vorgeduftet. Die „Forest Air“-Klimaautomatik kann bei Bedarf und unter Einsatz eines Trauben-Polyphenolfilters die Luft – im Prisen-Modus – mit ätherischen Ölen reinigen.

Leistung heißt jetzt Hybrid

Der 3,5 Liter V6-Benziner ist der leistungsstärkste Motor der Infiniti-M-Serie. Angeblich beschleunigt er gar schneller als der Porsche Panamera Hybrid – und muss auch den Preisvergleich nicht fürchten. Zwei hervorragend eingespielte Kupplungen übertragen die insgesamt 364 PS auf die Hinterräder und sorgen für ein überaus angenehmes und vor allem sportives Fahrerlebnis.

Innovative Sicherheit

Besonders angenehm erweist sich bei der Nachtfahrt die perfekte Ausleuchtung der Bi-Xenon-Scheinwer-fer, das adaptive Kurvenlicht sorgt für zusätzliche Sicherheit. Das Safety-Shield-Paket umfasst ein gut funktionierendes Abstandsregel-system (DCA) – nach entsprechender Justierung der Stufenwahl, bei Bedarf hält auch der Spurhalteassistent (LDP) den Wagen auf der gewünschten Fahrbahn. Den „Toten-Winkel-Assistent“ haben wir mangels Gelegenheit (beim Spurwechsel nähert sich ein Fahrzeug im toten Winkel) einfach nicht ausprobiert.

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DAS Auto für Geschäftsleute?

Meereswellen und Wanderdünen – so die Vision der Infiniti-Architekten – verleihen dem Wagen tatsächlich ein kraftvolles und naturnahes Design.
Meereswellen und Wanderdünen – so die Vision der Infiniti-Architekten – verleihen dem Wagen tatsächlich ein kraftvolles und naturnahes Design.

Aber ja. Positive Emotionen vorausgesetzt, welche die Investitionsvernunft – neben dem stattlichen, wenngleich sehr gerechtfertigten Kaufpreis auch die fiskalen Aufwendungen für die Pferdestärken (im Militärjargon zwei Eskadronen und 60 elektrische Reiter) in den Hintergrund rücken. Denn vorne steht ein Verbrauch im Testbetrieb von etwas über 8 Litern – bei dieser Systemleistung herausragend – und eine überreiche Serienausstattung mit zukunftsweisenden technologischen Top-Produkten. Nach einigen hundert Kilometern netter Bekanntschaft mit Infinitis Luxuskreuzer nahm ich wieder Platz in meinem Allzweckwagen. Schon bei der ersten Anfahrt kommt die mächtige Beschleunigung des GT Premium wehmütig in Erinnerung. Und das bedeutende Wissen, wir durften den Infiniti M35h fahren. (mp) Lexpress 81

Michael Pfeiffer, Lexpress