Die RUAG Space Austria – Österreichs größtes Weltraumunternehmen – baut weiter aus.

Weltraumthermalisolation auch für Satelliten (© RUAG Space)

Am 12.9. fand die feierliche Eröffnung der neuen Produktionsstätte der RUAG Space Austria in Berndorf (NÖ) statt. In einem neu errichteten Gebäudeteil produziert das Unternehmen hier Hochtemperatur-Thermalisolation für Weltraumraketen wie die europäische Rakete ARIANE 6. Mit diesem Schritt baut RUAG Space seine führende Position im Bereich Weltraumthermalisolation in Europa weiter aus und schafft zusätzliche Arbeitsplätze.

RUAG Space Austria mit Sitz in Wien und einem weiteren Standort in Berndorf ist mit rund 250 Mitarbeitenden das größte österreichische Weltraumtechnikunternehmen. Das Hochtechnologieunternehmen rüstet weltweit Satelliten und Trägerraketen mit Elektronik, Mechanik und Thermalisolation aus und hat eine Exportquote von rund 100 Prozent.

Schutz vor bis zu 1.500 Grad Celsius
„Wir haben mehr als 25 Jahre Erfahrung mit hochwertiger Thermalisolation für Satelliten. Aufbauend auf diesem Wissen erschließen wir ein neues Marktsegment und produzieren Thermalisolation für Trägerraketen“, sagt Geschäftsführer Andreas Buhl. Hochtemperaturisolation für Trägerraketen besteht aus Glas und Keramik. „Auf der Reise von der Erde in den Weltraum müssen die Raketenantriebe für einige Minuten extreme Hitze von bis zu 1.500 Grad Celsius aushalten“, erklärt Buhl. Diese Temperaturen sind viel höher als die typischen -150 bis +150 Grad Celsius, die eine Wärmedämmung für Satelliten im Orbit aushalten muss. „Aber wir können viel von dem Wissen, das wir in mehr als 50 Satellitenprojekten gesammelt haben, für diesen neuen Bereich nutzen”, erklärt Buhl.

Die neue europäische Rakete Ariane 6 wird von ArianeGroup im Auftrag der Europäischen Weltraumorganisation ESA gebaut. ArianeGroup ist Hauptauftragnehmer für die europäischen Trägerraketenfamilien Ariane 5 und Ariane 6, die sowohl für das Design als auch für die gesamte Produktionskette bis hin zur Vermarktung durch ihre Tochtergesellschaft Arianespace verantwortlich ist. Der erste Start der Ariane 6 ist für 2020 geplant. Die erste Thermalisolation für Ariane 6 wird RUAG Space Austria 2019 ausliefern.

RUAG Space wird die neue Produktlinie in der neu errichteten Halle neben der bestehenden Produktionsstätte in Berndorf produzieren. Bei der ebenfalls am Berndorfer Standort produzierten Thermalisolation für Satelliten ist RUAG Space europaweiter Marktführer. Die Wärmedämmung von RUAG Space schützt fast jeden europäischen Satelliten vor extremer Hitze und Kälte im Weltraum, wie z.B. die im Oktober 2018 gestartete europäisch-japanische Merkursonde BepiColombo oder den Solar Orbiter der ESA (Start 2020 geplant). Auch viele internationale und kommerzielle Kunden setzen auf Wärmedämmung von RUAG Space, wie z.B. die Telekommunikationssatellitenkonstellationen Iridium-NEXT und OneWeb. Als Spin-off der Weltraumaktivitäten produziert das Unternehmen auch Thermalisolation für Anwendungen auf der Erde, etwa Hochtemperaturisolation für Magnetresonanztomographen oder Isolation für leistungsfähige Stromkabel.

Was die NASA alles braucht
Auch die NASA „steht“ auf die Produkte von RUAG SPACE – für einen neuen Klimaschutzsatelliten, der 2022 starten soll, hat die US-amerikanische Weltraumbehörde NASA einen Navigationsempfänger aus Österreich geordert. Die Klimamission PACE der NASA beobachtet mit Hilfe von Satellitentechnik Veränderungen der globalen Meeresbiologie, Aerosolen (kleine Partikel, die in der Atmosphäre schweben) und Wolken. „Die zentimetergenaue Position des Satelliten wird mit Hilfe von Technik aus Österreich bestimmt“, sagt Buhl. „Insgesamt befinden sich 20 Navigationsempfänger von RUAG Space im Orbit und funktionieren einwandfrei.“

Das Unternehmen liefert im kommenden Jahr an die NASA den Navigationsempfänger zusammen mit einer Antenne. „Das ist unser erster Auftrag, den wir direkt von der NASA erhalten haben – eine eindrucksvolle Bestätigung unserer Technologieführerschaft in diesem Bereich“, so Buhl. RUAG Space lieferte schon bisher Technik an die NASA, etwa einen Navigationsempfänger für den im vergangenen Jahr gestarteten NASA-Umweltsatelliten ICESat-2, die Bestellung erfolgte aber über den Satellitenbauer und nicht direkt über die NASA. Bei der Klimaschutzmission PACE kam der Auftrag direkt von der NASA. Der Satellit wird vom Entwicklungsteam der NASA im Goddard Space Flight Center gebaut.

PACE steht für „Plankton, Aerosol, Cloud, ocean Ecosystem“. Die Mission befindet sich derzeit in der Designphase und soll 2022 starten. Die PACE-Klimamission erweitert die über 20-jährige Erfahrung der NASA mit Satellitenbeobachtungen der globalen Meeresbiologie, Aerosolen (winzige Partikel, die in der Atmosphäre schweben) und Wolken.

PACE wird die Bewertung der Meeresgesundheit vorantreiben, indem es die Verteilung von Phytoplankton misst. Phytoplankton besteht aus winzigen Pflanzen und Algen, die das marine Nahrungsnetz unterstützen. Die Klimamission PACE wird auch Aufzeichnungen über wichtige atmosphärische Variablen im Zusammenhang mit der Luftqualität und dem Weltklima führen.

21.9.2019, Autor: Paul Christian Jezek / paul.jezek@lex-press.at