Cybercrime – die Pandemie in der Pandemie (Symbolbild: pixabay)

Mithilfe von Open Source Intelligence (OSINT) hat das auf den Schutz gegen kriminelle Machenschaften im World Wide Web spezialisierte Team von BDO die Angriffe speziell auf den Finanzbereich, kritische Infrastruktur sowie allgemein Wirtschaftskriminalität, geopolitische Vorkommnisse und Sanktionen sowie internetbasierte und internetunterstützte Kriminalität.

„Hinsichtlich Ransomware, also betrügerischer Schadsoftware zur Erpressung über das Internet, kann man 2020 von einer Pandemie in der Pandemie sprechen. Sie ist keine Erfindung des letzten Jahres, aber die Zeit und Bedingungen waren 2020 einfach perfekt. Es war für Kriminelle leicht – vielleicht sogar zu leicht – von der Corona-Pandemie zu profitieren“, lautet das ernüchternde Fazit der BDO-Experten Ewald Kager und Lorenz Szabo. Die größten Bedrohungen für 2021 betreffen folgende Bereiche:

5G-Netzwerke
Der drahtlose Netzwerkstandard 5G wird technologische Fortschritte wie Smart Cities, intelligente Verteidigungsanlagen und intelligente Stromnetze ermöglichen. Aber hinter der modernen 5G-Technik fließen 90% der Technologiebudgets in bestehende Altsysteme (Legacy-Systems) und Angreifer werden dort mit hoher Sicherheit weitere Schwachstellen entdecken. Daneben sind weitere Sachbeschädigungen an 4G-/5G-Sendeanlagen durch Verschwörungstheoretiker zu erwarten, wie es 2020 bereits mehrfach geschehen ist.

Liefer- und Wertschöpfungsketten
Verschiedene Logistikexperten warnen bereits vor den Folgen der instabilen Situation in internationalen Lieferketten aufgrund von fehlenden Containern bzw. fehlenden LKW-Fahrern infolge pandemiebedingter Abriegelungsmaßnahmen und der daraus resultierenden Überlastung bei der Abfertigung von Frachtgut in den Häfen. Wenn dieser Rückstau durch Probleme in der Seeschifffahrt anhält, können z.B. auch Ausfälle in der Lebensmittelversorgung bestimmter Länder bzw. Probleme in der Produktion nicht ausgeschlossen werden.

Risk Management
Der Sturm auf das US-Kapitol sowie der Versuch, ins Berliner Reichstagsgebäude einzudringen, haben öffentlichkeitswirksam vor Augen geführt, wie fragil die derzeitige Situation ist. Besorgniserregend ist auch, wenn Mitarbeiter QAnon- oder Anti-Impf-Theorien am Arbeitsplatz verbreiten und damit mutwillig für eine Verunsicherung in der Belegschaft sorgen. Es ist nicht damit zu rechnen, dass die komplette Weltbevölkerung Ende 2021 durchgeimpft sein wird. Neben der Zunahme von besorgniserregenden politischen Tendenzen sind aufgrund der im Netz grassierenden Verschwörungstheorien Sabotageversuche bei Impfzentren bzw. medizinischen Einrichtungen leider nicht auszuschließen.

Kritische Infrastruktur
Solar- und Windenergie können die Spitzen des Energiebedarfs in den Wintermonaten nicht ausgleichen und Europa hätte Anfang 2021 beinahe einen großflächigen Blackout erlebt. Obwohl Betreiber kritischer Infrastruktur nicht immer ein Hauptziel diverser Angreifer darstellen, kann eine indirekte Bedrohung durch Ransomware nicht ausgeschlossen werden. „Wir gehen von mehreren geplanten bzw. ungeplanten, also auch irrtümlichen Angriffen auf Betreiber von kritischer Infrastruktur 2021 aus“, prognostiziert Ewald Kager.

7.3.2021 / Autor: Paul Christian Jezek / paul.jezek@lex-press.at