Walter Schwaiger (TU Wien) und Creditreform legen Predictive Default Study zu den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie vor. (Bild: pexels.com/Anna Shvets)

Univ.-Prof. Walter S. A. Schwaiger, Leiter des Forschungsbereichs „Finanzwirtschaft und Controlling“ am Institut für Managementwissenschaften (IMW) an der TU Wien, hat anhand der Daten der Creditreform Wirtschaftsdatenbank, die alle Unternehmen und selbständig Tätige mit in Sitz in Österreich umfasst, die Ausfälle der heimischen Unternehmen analysiert.

Das Ziel dieser „vorausschauenden Ausfallstudie“ (Predictive Default Study) besteht darin, die Höhe der im Krisenjahr 2020 durch außerordentliche Stützungsmaßnahmen aufgebauten „Corona-Pleitewelle“ zu bestimmen. Wie Top Leader und Creditreform berichtet haben, sind ja im vergangenen Jahr die Firmeninsolenzen auf das niedrigste Niveau seit 30 Jahren gesunken.

Die Corona-Blase
Die aktuelle Ausfallsrate von wirtschaftsaktiven Unternehmen im Corona-Krisenjahr 2020 beträgt 0,76 Prozent, womit sich die Ausfallsrate des Jahres 2019 von 1,15 Prozent um –0,39 Prozent reduziert – obwohl das heimische BIP um 6,6 Prozent eingebrochen ist.

Die erwartete Corona-Ausfallsrate beläuft sich auf 1,87 Prozent, welche die aktuelle Ausfallsrate um 1,11 Prozent übersteigt. Diese Corona-Blase von 1,11 Prozent ist somit fast so groß wie die Ausfallsrate des Jahres 2019 und kennzeichnet ein „Ausfallpotential“.

„Die Stützungsmaßnahmen der österreichischen Bundesregierung waren somit vorerst wirksam“, kommentiert Walter Schwaiger. „Wenn die Corona-Blase durch eine zügige Wirtschaftserholung nicht – gänzlich – platzt, dann hätten die Stützungsmaßnahmen auch eine nachhaltige Wirkung.“

Ex-post-Prognose – Corona-Blase (Grafik: Creditreform / TU-Wien)

Die „Entkoppelung“
Schaut man auf die jährlichen Ausfallsraten im Vergleich zur Veränderung des realen BIP, sieht man für die vergangenen zwölf Jahre eine gleichförmige Entwicklung um eine Ausfallsrate von ca. 1,40 Prozent (mit Ausnahme des Jahres der Finanzkrise 2009).

Das Bild ändert sich nun 2020 drastisch. In diesem Jahr tritt quasi eine „Riesenausnahme“ ein. Die im Corona-Krisenjahr 2020 realisierte Ausfallsrate von 0,76 Prozent ist nicht nur viel niedriger als die Ausfallsrate von 1,15 Prozent im wirtschaftlich noch normalen Jahr 2019. Darüber hinaus verläuft sie sogar noch diametral entgegengesetzt zur im Corona-bedingten Konjunktureinbruch erwarteten Entwicklung. Die tatsächlich eingetretene Ausfallsrate ist somit gegenüber der tatsächlichen Wirtschaftslage verstellt – Grund dafür sind die erwähnten außerordentlichen Stützungsmaßnahmen.

Entwicklung Ausfallraten und BIP (real) bis 2020 (Grafik: Creditreform / TU-Wien)

Übrigens: Unser Land steht auch „für sich genommen“ gut da. Dieser Tage hat die Creditreform Rating AG das unbeauftragte langfristige Sovereign Rating für die Republik Österreich mit AA+ bewertet – und der Ausblick bleibt unverändert auf stabil.

Dafür gibt es u.a. folgende Gründe:
1) Starke makroökonomische Fundamentaldaten, nämlich ein sehr hohes Wohlstandsniveau sowie eine gut diversifizierte und sehr wettbewerbsfähige Wirtschaft.
2) Dank der raschen Krisenreaktion der Regierung konnten die Auswirkungen der Pandemie auf den sich gut entwickelnden heimischen Arbeitsmarkt weitgehend eingedämmt werden, während sich die Verschuldung des privaten Sektors noch immer auf vergleichsweise niedrigem Niveau bewegt.
3) Sehr gute institutionelle Bedingungen des Landes bleiben eine wesentliche Stärke der Republik Österreich.

www.imw.tuwien.ac.at / https://www.creditreform.at/index.html

Quelle: Zur Messung der Unternehmensausfälle wurden in der Predictive Default Study nicht die Insolvenzen, sondern – wie im Bankenbereich üblich – die Ausfallsereignisse nach der Definition von „Basel III“ (Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht) herangezogen. Demnach gilt ein Unternehmen als ausgefallen, wenn es mehr als 90 Tage im Zahlungsverzug ist bzw. wenn es mit einer hohen Wahrscheinlichkeit seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen wird können. Diese Messung von Kreditausfällen korrespondiert mit den Sachverhalten, die mit dem Creditreform-Bonitätsindex gemessen werden. Dieser reicht von 100 (hervorragende Bonität) bis 600 (Insolvenz). Ab einem Bonitätsindex von 500 gilt eine Forderung als ausgefallen. Die sich auf 2020 beziehenden Berechnungen basieren auf 105.544 wirtschaftsaktiven Unternehmen.

8.6.2021 / Autor: Paul Christian Jezek / paul.jezek@lex-press.at